Der Weg eines Kämpferjungen

Dana Waschinsky-Wolff, unsere erste Vorsitzende und Gründerin des Vereins, ist selbst Mutter von zwei Kindern. Nachdem ihre beiden Söhne als Frühchen geboren wurden, möchte sie nun anderen Eltern in ähnlicher Lage helfen. Sie gründete den Verein “Herzenssache-Nähen für Sternchen und Frühchen e.V.”, um anderen Müttern zur Seite zu stehen und ihnen eine Plattform des Austausches zu bieten. Mir hat sie in mehreren Gesprächen ihre eigene Geschichte anvertraut, über die ich in ihrem Einverständnis nun berichten werde.

1. Trimester

Im Juni 2012, erfuhr Dana überraschend, dass sie zum zweiten Mal schwanger war. Eigentlich war sie zu dem Zeitpunkt bereits relativ ausgelastet mit ihrem ersten Kind, da ihr Erstgeborener mit 1.5 Jahren noch sehr klein war und rund um die Uhr versorgt werden wollte. Außerdem steckte ihr Mann zu dem Zeitpunkt noch mitten im Studium. Dennoch war die Schwangerschaft für sie eine freudige Überraschung und sie nahm sich fest vor, ihre zweite Schwangerschaft vollkommen zu genießen, da die erste Schwangerschaft geprägt von Sorgen und Ängsten war.

Jedoch tauchten bereits relativ früh Schwierigkeiten auf. Schon früh in der Schwangerschaft hatte Dana mit einem zu hohen pH-Wert zu kämpfen, der medikamentös behandelt werden musste. Zusätzlich tauchten in der elften Schwangerschaftswoche plötzlich Blutungen auf. Voller Sorge musste sie im Krankenhaus behandelt werden. Schnell gaben die Ärzte jedoch Entwarnung. Sie sagen, die Blutungen seien unproblematisch und dem kleinen Baby ginge es gut. Blutungen in der Frühschwangerschaft sind relativ häufig und oft unproblematisch. Dennoch jagen sie jeder werdender Mutter einen großen Schreck ein.

Nichtsdestotrotz folgte eine engmaschige gynäkologische Betreuung. Immerhin gehörte sie zu dem Zeitpunkt mit ihren 36, fast 37 Jahren zu den Risikoschwangeren. Zudem war ihr erster Sohn bereits ein Frühchen gewesen und die Blutungen stellten für sie einen weiteren Grund zur Sorge dar. In der 14. Schwangerschaftswoche folgte dann das Ersttrimesterscreening. Hierfür fuhr sie in eine besondere gynäkologische Praxis. Die Tests sollen zeigen, inwiefern ein Risiko für u.a. Trisomie 21 besteht. Doch hierbei fanden sie nichts, was auf Schwierigkeiten schließen ließ oder dem errechneten Geburtstermin 01. März 2013 entgegen stand.

2. Trimester

Das zweite Semester lief deutlich entspannter ab. Dana konnte das erste Mal ihre Schwangerschaft richtig genießen. Endlich konnte sie die Seele baumeln lassen und auch mal entspannt auf der Terrasse liegen. Zwar war ihr ph-Wert nach wie vor zu hoch und auf Grund der Jahreszeit hatte sie mit starken Wassereinlagerungen zu kämpfen. Es gab immer mal wieder stressige Tage. Immerhin hatte sie ein kleines Kind zu Hause, das gerade begann laufen zu lernen und viel Aufmerksamkeit forderte. Doch nichts ließ darauf schließen, dass es dem Kind im Bauch schlecht gehen könnte oder dass der Zeitraum um die Entbindung so problematisch werden würde.

Drittes Trimester

Nachdem die ersten zwei Trimester verhältnismäßig problemlos verlaufen waren, wendete sich das Blatt sechs Wochen vor der Geburt. Bei einer Ultraschalluntersuchung im Januar 2013, kam ihre Schwester mit ihr. Diese arbeitete im medizinischen Bereich und sollte ihr etwas mehr Sicherheit geben. Jedoch sah man bei der Untersuchung bereits, dass ihr Sohn kleiner war als der Norm, was ihr Arzt jedoch für wenig besorgniserregend hielt und sie beließen es dabei.

Die Geburt

Nach 39 Schwangerschaftswochen, erblickte Danas jüngster Sohn am 20. Februar 2013 das Licht der Welt. Sein älterer Bruder war bereits etwas früher als erwartet in der 37. Woche zur Welt gekommen. Auf Grund seines Gewichts von 3.5 kg war dies jedoch recht unproblematisch.

Anders jedoch bei ihrem zweiten Kämpferjungen. Er kam nach sechs Wochen Unterversorgung in der 39. Schwangerschaftswoche mit nur 2245 g Geburtsgewicht durch einen Notkaiserschnitt zur Welt. Im Nachhinein wurde festgestellt, dass Dana in der Schwangerschaft durch Zirkulationsstörungen mehrere Infarkte der Plazenta erlitten hatte und diese in ihrer Größe nur der Hälfte des Normwerts erreicht hatte. Somit war ihr Sohn über längeren Zeitraum konstant unterversorgt und hatte ein sehr geringes Geburtsgewicht, so dass er trotz normaler Schwangerschaftsdauer mit unter 2500 g im Bereich eines Frühchens lag.

Auf Grund dessen, dass Dana unter dem schnellen Kaiserschnitt starke Schmerzen erlitten hatte, konnte sie ihren Sohn, der in den frühen Morgenstunden geboren war, erst um 17 Uhr auf der Intensivstation besuchen. Dort lag er gemeinsam mit einem anderen Kind in der Direktüberwachung.

Die Ganze Situation überforderte sie zu diesem Zeitpunkt ungemein. Sie hatte die ganze Schwangerschaft hindurch ein voll entwickeltes, kerngesundes Kind erwartet. Stattdessen war ihr Sohn nun winzig kein und wirkte gebrechlich. Seine Haut schälte sich ab und war so dünn, dass man durch sie hindurch schauen konnte. Aus Angst ihm weh zu tun, traute sie sich das Känguruhen auch erstmal nicht zu.

Das erste Jahr nach der Geburt

Einen Monat nach der Geburt ihres Sohnes, durften die beiden im März das Krankenhaus auch wieder verlassen. Doch auch nach dem Klinikaufenthalt lief alles weniger reibungslos als erhofft. Dadurch dass er im Mutterleib so lange unterversorgt worden war, durfte Danas Sohn von ihr nicht gestillt werden, sondern musste stattdessen durch eine hochkalorische Spezialnahrung versorgt werden, die es nur in der Apotheke zu kaufen gab.

Außerdem fehlte ihrem Sohn, durch die ständige Beleuchtung auf der Intensivstation, ein normaler Tag-Nacht-Rhythmus. Er schlief unregelmäßig, war häufig unruhig und kam nicht zur Ruhe, sodass Dana eine Zeit lang mit ihm im Wohnzimmer schlief.

Nachdem sie Rat bei ihrer Kinderärztin gesucht hatte, begann sie mit ihrem Sohn sowohl eine Ergotherapie, als auch eine Physiotherapie. Durch eine Situation, in der er sich in einen Schreikrampf begab und sich kaum noch beruhigen ließ, folgten daraufhin auch Hausbesuche der Ergotherapeutin, die ihr und ihrem Mann die Triggerpunkte für solche Schreianfälle aufzeigte und ihnen die entsprechenden Gegenmaßnahmen erläuterte. Die Therapie nahm langsam Form an und zeigte erste Erfolge.

Ein Rückschlag folgte jedoch recht bald. Als ihr Sohn im Mai 2013 gegen den Rotavirus geimpft wurde, bekam er die Virus-Erkrankung selbst. Mit eingefallener Fontanelle und starker Dehydrierung wurde er erneut in eine Klinik eingewiesen und durch einen Tropf zusätzlich versorgt. Durch die erneute Krankenhaussituation waren alle Tagestrukturen von Zuhause wieder verloren gegangen und nach dem Klinikaufenthalt mussten sie wieder bei Null beginnen.

In der Klinik war den Ärzten zudem aufgefallen, dass ihr Kind sehr weit aufgerissene Augen hatte. Bis zu dem Zeitpunkt waren ihr Mann und sie immer davon ausgegangen, dass seine Augen durch seine geringe Größe so prägnant hervorstachen und er deshalb auch ein wenig wie ein unreifer Piepmatz aussah. Doch nun hatten die Ärzte die Annahme, dass es sich bei den aufgerissenen Augen um das Sonnenuntergangsphänomen handelte, dass auf einen zu hohen Hirndruck hinweisen konnte.

Deshalb sollten sie mit ihm eine Gehirnsonographie machen lassen. Jedoch gestaltete es sich schwierig, jemanden zu finden, der diese auch bei so kleinen Kindern durchführte und sie schafften es nur durch Beziehungen in einer Klinik ein Termin zu bekommen. Hierbei konnte allerdings zum Glück keine Anomalie festgestellt werden und sowohl ein zu hoher Hirndurck wie auch eine potenzielle Behinderung wurden ausgeschlossen.

Insgesamt war das erste Lebensjahr ihres jüngsten Sohnes davon geprägt Arztbesuche zu organisieren und zu koordinieren und es fiel ihr schwer, ihre Elternzeit überhaupt zu genießen. Sie hetzten von Arzt zu Arzt, hatten Ergotherapie, Physiotherapie und bekamen noch Babyschwimmen verschrieben. Zudem wurde sie selbst schwer krank, musste operiert werden und befand sich selbst bis zu 12 Wochen in verschiedenen Kliniken wie auch Rehakliniken.

Doch letztlich war es all den Stress wert, um ihrem Kämpferjungen die bestmögliche Förderung zu ermöglichen und Nachteile durch die pränatale Unterversorgung zu kompensieren. Einige Therapien wie die Ergotherapie wurden zu Langzeittherapien ausgeweitet und bis heute verfolgt.

Liebe Grüße, Lilly

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